PPAP: die 5 Vorlagestufen und 18 Elemente
PPAP (Production Part Approval Process) ist das in der Automobilindustrie übliche Verfahren, mit dem ein Lieferant nachweist, dass er alle technischen Anforderungen des Kunden verstanden hat und sein Fertigungsprozess unter Serienbedingungen und mit der geplanten Stückzahl beständig gute Teile herstellen kann. Das Verfahren ist im AIAG-PPAP-Handbuch beschrieben; aktuell gilt die 4. Ausgabe.
Wann ist eine PPAP-Vorlage erforderlich?
- bei einem neuen Teil oder Produkt,
- nach der Korrektur einer früheren Abweichung,
- bei Produkt- oder Prozessänderungen: neuer Werkstoff oder Unterlieferant, neues oder verlagertes Werkzeug, neuer Fertigungsstandort, Technologiewechsel,
- wenn ein Werkzeug länger als 12 Monate nicht in Serie gefertigt hat oder auf Kundenwunsch.
Die 5 Vorlagestufen
- Level 1: nur die Teilevorlagebestätigung (PSW), bei Aussehensteilen zusätzlich der AAR.
- Level 2: PSW mit Musterteilen und eingeschränkten Nachweisen.
- Level 3: PSW mit Musterteilen und vollständigen Nachweisen. Dies ist die Standardstufe, sofern der Kunde nichts anderes festlegt.
- Level 4: PSW und weitere, vom Kunden festgelegte Anforderungen.
- Level 5: PSW mit Musterteilen und vollständigen Nachweisen, die der Kunde am Fertigungsstandort des Lieferanten prüft.
Was gehört zu welchem Level?
| Element | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. Konstruktionsunterlagen | R | S | S | * | R |
| 2. Genehmigte technische Änderungsdokumente | R | S | S | * | R |
| 3. Technische Freigabe durch den Kunden | R | R | S | * | R |
| 4. Konstruktions-FMEA | R | R | S | * | R |
| 5. Prozessablaufdiagramm | R | R | S | * | R |
| 6. Prozess-FMEA | R | R | S | * | R |
| 7. Produktionslenkungsplan | R | R | S | * | R |
| 8. Messsystemanalyse (MSA) | R | R | S | * | R |
| 9. Maßprüfergebnisse | R | S | S | * | R |
| 10. Werkstoff- und Funktionsprüfergebnisse | R | S | S | * | R |
| 11. Vorläufige Prozessfähigkeitsuntersuchung | R | R | S | * | R |
| 12. Dokumentation des qualifizierten Labors | R | S | S | * | R |
| 13. Bericht zur Freigabe des Erscheinungsbilds (AAR) | S | S | S | * | R |
| 14. Musterteile aus der Serienfertigung | R | S | S | * | R |
| 15. Referenzmuster | R | R | R | * | R |
| 16. Prüfmittel | R | R | R | * | R |
| 17. Kundenspezifische Anforderungen | R | R | S | * | R |
| 18. Teilevorlagebestätigung (PSW) | S | S | S | S | R |
S = dem Kunden vorzulegen; R = beim Lieferanten aufzubewahren und auf Anfrage vorzulegen; * = der Kunde legt fest, ob vorzulegen oder aufzubewahren ist.
Praxistipps
- Alle Unterlagen müssen auch dann erstellt werden, wenn sie nur aufzubewahren sind (R): Das Level bestimmt nur, was an den Kunden geht.
- Die Maßprüfung muss alle Maße und Hinweise der Zeichnung abdecken, üblicherweise an mindestens einem Teil je Kavität oder Fertigungslinie.
- Für die vorläufige Prozessfähigkeit besonderer Merkmale wird meist Ppk ≥ 1,67 erwartet; zwischen 1,33 und 1,67 kann der Kunde unter Auflagen zustimmen.
- Kundenspezifische Anforderungen (etwa Lieferantenhandbücher der OEMs) haben stets Vorrang vor den allgemeinen Regeln.
- In der deutschen Automobilindustrie erfüllt die PPF (Produktionsprozess- und Produktfreigabe) nach VDA 2 einen ähnlichen Zweck; sie kennt 3 Vorlagestufen.